Quo vadis, Gymnasium?

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Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik, Link hier

Auf den ersten Blick wird klar, dass es in Bayern weniger Schüler gibt. Die Zahl der Grundschüler sinkt seit ca. 10 Jahren. Daran kann das Schulsystem nichts ändern. Doch welche Auswirkungen hat das in der Bildungslandschaft auf die einzelnen Schularten?

Zusammen mit den Grundschülern sind natürlich mehrere nachfolgende Schularten vom Schülerschwund betroffen. Dies sind Hauptschüler, Realschüler, Berufsschüler und auch die Gymnasiasten.

Bei den Verläufen der Studenten und der Gymnasiasten ist der Zeitraum um das Jahr 2010/11 interessant. Das war das Jahr des Doppelabiturs. 2011 ging die K13 ab und wurde nicht mehr aufgefüllt. Die Zahl der Schüler an Gymnasien ging also schlagartig zurück und an den Universitäten ging sie genauso schnell hoch.

Mit Beginn des G8 sinken bayernweit die Schülerzahlen an Gymnasien. Ein Trend, dem die Realschule erst gar nicht und dann ab ca. 2014 nur leicht folgt. In Zeiten des allgemeinen Schülerschwunds steht die Realschule stabil da, während das ungebliebte G8 sich um eine Verschlimmbesserung nach der anderen bemüht.

Währenddessen steigen die Studentenzahlen.

Um das Jahr 2013/14 schneiden sich Abiturienten- und Studentenzahlen. Das war die Zeit, als logischerweise mehr Studenten ohne Abitur in der Tasche sich immatrikulierten. Inwieweit Studenten aus anderen Bundesländern, die sich dazu entschieden haben in Bayern zu studieren, hier mit reinzählen, kann man nicht genau sagen. Wahrscheinlich sind sie zu vernachlässigen. Das war der Zeitpunkt, an dem das Gymnasium seine Berechtigung zur Studierfähigkeit offiziell verloren hatte.

Laut Statistischem Bundesamt haben in Bayern 2014 ca. 47% aller Schüler einen mittleren Schulabschluss (also Mittlere Reife, Realschulabschluss und alle anderen mittleren Schulabschlussarten zusammen) gemacht. Die allgemeine Hochschulreife haben ca. 28% aller Schüler geschafft (Quelle). Überspitzt gesagt, es gab 2014 doppelt so viele mittlere Schulabschlüsse, als allgemeine Hochschulabschlüsse. Alles hinter dem Hintergrund der deutlich sinkenden Gymnasiastenzahlen.

Währenddessen steigen die Studentenzahlen.

Lösung ist einfach: Es ist natürlich klar, dass die Menge der Studenten sich aus den Fachhochschulstudenten, den Studenten an Fachakademien und Universitäten zusammensetzt.

Während früher das Gymnasium der einzige Weg war, einen Hochschulabschluss zu bekommen, stehen heute den Schülern aus allen Schularten Möglichkeiten und Wege offen. Der bekannteste läuft in Bayern über Fachoberschulen und Berufsoberschulen.

Während aus dem Gymnasium immer weniger Studenten kommen, steigen die Studentenzahlen aus den vorher genannten Bereichen.

„Ja, ein Fachhochschulstudium ist ja niemals so viel wert, wie ein vollwertiges Universitätsstudium!“ sagen gerne die Zweifler. Finanziell haben sie recht:

Durchschnittliche-Brutto-Jahresentgelte-nach-Lebensalter-und-hoechstem-Bildungsabschluss

Quelle: Focus; durchschnittliche Brutto-Jahresgehälter; Link

Ein 40-Jahre alter Mensch verdient in Deutschland laut dieser Statistik 55.000 Euro im Jahr mit einem Fachhochschulabschluss. Der Absolvent der Hochschule im gleichen Lebensalter hat ca. 66.000 Euro und zählt laut Rentenversicherung damit zur finanziellen Oberschicht oder kann als Topverdiener bezeichnet werden (Quelle). Der Fachhochschulabsolvent liegt immer noch über 20.000 Euro über dem Durschnittsverdienst in Deutschland und kann als Besserverdiener bezeichnet werden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Gymnasium sehr starke Konkurrenz bekommen hat und seinen Status als Studentenproduzent verloren hat. Die Perspektiven für Realschüler sind deutlich gestiegen und das Gymnasium hat sich durch meandrierende Bildungspolitik ins Abseits manövriert. Realschulen, Fachoberschulen und Berufsoberschulen bieten die Aussicht zum Besserverdiener zu werden, ohne dass man sich dem gymnasialen Anspruch unterwerfen muss. Der Fächerkanon der Realschulen ist stärker auf die Praxis ausgerichtet, während der im Gymnasium oft (manchmal) noch einem humanistisch-altphilologischem Ideal folgt oder zumindest einzelne Fächer unterrichtet, die in den Augen der meisten Eltern kaum noch Realitätsbezug haben. Zudem bietet die Realschule seit vielen Jahren Planungssicherheit. Alle diese Punkte ziehen die Eltern von Schulkindern, insbesondere in ländlichen Regionen, auf die Seite der Realschule.

Das Ziel, der Anspruch und die Inhalte des Gymnasiums müssen neu definiert werden. Das Gymnasium braucht ein klares Profil, das es von der Realschule abhebt und einen echten Zukunftswert hat. Welches Profil soll das sein? Quo vadis, Gymnasium?

 

 

Bildquelle: wikimedia commons; Public Domain

 

 

 

 

 

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