Was die KIM-Studie über Eltern sagt … nichts Gutes!

Die KIM-Studie stellt detailliert das Medienverhalten von Jugendlichen und Kindern dar. Sie gilt als eine der aussagekräftigsten und bekanntesten Studien, nimmt aber nur an wenigen Stellen eine Bewertung der erhobenen Daten vor. Einige interessante Aspekte, die das Elternverhalten bei der Mediennutzung ihrer Kinder abbilden, sollen hier kurz umrissen und bewertet werden:

Der Aspekt des Jugendschutzes in der KIM-Studie 2016:

Die Gefährdung von Kindern durch ungeeignete Inhalte im Bereich der Computerspiele wird häufig diskutiert. Jedes Computerspiel wird vor der Marktfreigabe in Deutschland durch die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) überprüft und mit einer Alterskennzeichnung versehen. 41% der Befragten gaben an, sich bereits einmal über die Alterskennzeichnung der USK hinweggesetzt zu haben und ungeeignete Spiele gespielt zu haben. Deutlich mehr Jungen als Mädchen setzen sich über die USK-Kennzeichnung hinweg (50 zu 29%). Die Haupterzieher geben zu 20% an, dass ihnen die Kennzeichnung bisher nicht bewusst aufgefallen ist. 6% wussten nicht, dass es eine derartige Kennzeichnung gibt. Ein grundlegendes und massives Missverständnis herrscht auf Seiten der Haupterzieher über die Aussage der USK-Kennzeichnung: 90% der befragten Erzieher dachten, es handle sich um eine pädagogische Empfehlung, wie sie sie z.B. von Brettspielen kennen. Dass sie sich durch die Nichtbeachtung der USK-Angaben in einem gewissen Maß strafbar machen, ist ihnen nicht bewusst. Wenn sie ihrem Kind ein Spiel kaufen oder auch nur zugänglich machen, welches gemäß USK nicht für sein Alter geeignet ist, verstoßen sie gegen das Jugendschutzgesetz. Die Bezugsquellen der Computerspiele sind zumeist die Eltern, primär dabei die Mutter mit 75%.

Die Hauptaussage ist meineserachtens: Eltern vernachlässigen viel zu oft den Jugendschutz bei Computerspielen. Dies ist ein eklatanter Misstand in unserer Gesellschaft. Besonders beängstigend ist dabei die Tatsache, dass zumeist Mütter die meisten und größten Fehler machen.

Medienerziehung durch Eltern in der KIM-Studie 2016

Bei Eltern mit schulpflichtigen Kindern stehen die Themen Schule und Erziehung bei den  Themeninteressen an erster Stelle. Das Schlusslicht bilden bezeichnenderweise die Computerspiele (12% der Hauptinteressen). Hier zeigt sich die erste Diskrepanz zwischen Kindern und Eltern.

Gemeinsam haben sie die starke Medienbindung zuerst an das Fernsehen und dann an das Internet und den Computer. Ebenso positiv einzuschätzen ist die Tatsache, dass die Eltern gut und annähernd genau über die zeitliche Intensität und Häufigkeit der Mediennutzung ihrer Kinder Bescheid wissen. Die Wahrnehmung der Eltern von unterschiedlichen Medien ist zumeist zugunsten der traditionellen Medien: Bücher werden als sinnvoll, pädagogisch, allgemeinbildend und kreativitätsfördernd betrachtet, Moderne Medien eher skeptisch oder negativ, insbesondere was die Zeitbindung betrifft. Eltern denken, dass ihre Kinder zu viel Zeit mit dem Computer, dem Internet und dem Smartphone verbringen und so zu Stubenhockern werden (61%). Das Internet hat in der Elternwahrnehmung einen deutlichen Einfluss auf die Gewaltbereitschaft (62%). Zudem ermöglicht das Internet den Kontakt mit ungeeigneten Inhalten (67%). Die Wahrnehmung ist hier, im Gegensatz zum Fernsehen, ausnahmslos negativ. Die negativen Aspekte des Internets finden sich auch beim Fernsehen, hier kommen aber weitere positive Aspekte hinzu, wie z.B. „vermittelt einen Eindruck vom richtigen Leben“.

Eltern beklagen, dass ihre Kinder zu viel Zeit mit dem Handy/Smartphone (38%), dem Internet und dem Fernseher verbringen (jeweils 31%). Nur 5% beklagen dies bei Büchern.

Aufgrund dieser Negativeinstellung haben Eltern Maßnahmen und Regelungen für die Nutzung von Internet und Computer getroffen. Das Internet ist am stärksten regelementiert: 80% der Eltern machen Vorgaben zu Dauer der Nutzung und 73% zu den konsumierten Inhalte. Danach folgen Spielekonsolen und das Fernsehen. An letzter Stelle steht das Smartphone mit 59 und 47%.

Die Hauptaussage ist meineserachtens: Eltern beklagen die verbrachte Zeit am Handy – reglementieren diese aber am wenigsten. Eltern befürchten negative Einflüsse der Neuen Medien – kaufen aber in Unwissenheit ungeeignete Computerspiele und sorgen für eine heimische Vollausstattung. Eltern legen Wert darauf, dass sie über das Handy mit ihren Kindern in Kontakt bleiben – die Geräte sind aber kaum älter als zwei Jahre und bieten weit mehr Funktionen als Kommunikation. Man kann eventuell daraus schlussfolgern, dass das Elternverhalten für eine sinnvolle Medienerziehung kontraproduktiv ist.

Wenn man die Daten so interpretiert, kommen die Eltern dabei sehr schlecht weg.

Quelle Bild: Pixabay; CCO-Public Domain

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