Warum wir im bayerischen Gymnasium jetzt Medienerziehung in einer Erziehungspartnerschaft machen müssen und was das mit einer Handtasche zu tun hat (plus PowerPoint Präsentation)

5951Dr.Dr._Manfred_Spitzer
Prof. Dr. M. Spitzer – Foto: Udo Grimberg, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19930956

DIE POWERPOINT-PRÄSENTATION ZUM ARTIKEL (gekürzte Version)

Präsentation: Warum Medienbildung an der Schule

Prof. Spitzer spricht sich dafür aus, dass ein Handy erst in die Hände von 16-18-Jährigen gehört. Erst in diesem Alter hätten sie die Reife und die kognitiven Fähigkeiten, sinnvoll damit umzugehen und keinen Schaden zu nehmen. Er vergleicht dies mit dem Führerschein in Deutschland. Für das Autofahren müsse man Reife und kognitiven Fähigkeiten haben, die man – nach allgemeinem Konsens in Deutschland – eben erst mit 18 hat.

Das dies weit von der Realität entfernt ist, ist  klar. Bereits in der 5. Klasse hat nahezu jeder Schüler sein eigenens Handy. Die aktuellen KIM und JIM Studien belegen dies mit klaren Zahlen: 98% aller befragten Kinder im Alter zwischen sechs und 13 Jahren verfügten 2016 über ein Handy oder Smartphone und natürlich nutzten sie es auch.

Die Forderung Spitzers im Kontrast zur Realität, wie man sie heute in Schulen antrifft, ist symptomatisch für das Bildungssystem, insbesondere für das bayerische Gymnasialsystem. Man ignoriert die aktuellen Entwicklungen und liefert eine Lösung, die einfach und plausibel klingt, aber in Wirklichkeit keine sein kann.

Warum haben Kinder und Jugendliche so früh ein Handy?

Der Grund ist ein sehr einleuchtender: Eltern wollen schnell und einfach Kontakt mit ihren Kindern halten können. Der Aspekt der Sicherheit steht hier ganz vorne. Zudem kommt die Tatsache, dass in nahezu jedem Haushalt alle zwei Jahre ein Handy „frei wird“. Viele Telekommunikationsanbieter bieten für geringe Anschaffungskosten ein Upgrade auf die nächste Handygeneration an, wenn man den Mobilfunkvertrag um zwei weitere Jahre verlängert. Bevor man das alte Handy auf Ebay verkauft, reicht man es einfach innerhalb der Familie weiter.

Die meisten Schüler verfügen somit über relativ aktuelle und leistungsfähige Smartphonemodelle. Oftmals „erbt“ man den Mobilfunkvertrag gleich mit und besitzt dann als 14-Jähriger bereits eine Datenflatrate.

Den Eltern ist oftmals nicht bewusst, was genau sie da ihrem Nachwuchs an die Hand geben: Jöran Muuß-Merholz hat es mit „Hermines Handtasche“ beschrieben. Ein kleines Gerät, das wie die kleine Handtasche in den berühmten Zauberergeschichten, über den „unaufspürbaren Ausdehnungszauber“ verfügt. Wer ein solches Gerät in der Tasche mit sich führt, hat gleichzeitig auch folgende Dinge dabei:

  • eine Enzyklopädie
  • eine Fotokamera
  • eine Videokamera
  • eine Arbeitsblattsammlung
  • einen Vokabeltrainer
  • ein Bestimmungsbuch
  • einen Audiorekorder
  • eine Zettelablage
  • eine Spielekonsole
  • eine Videothek
  • einen Sexshop
  • ein Reisebüro
  • einen Schrittmesser
  • eine Uhr
  • einen Wecker
  • ein Radio und ein Fernseher
  • eine Selbsthilfegruppe
  • ein Fotoalbum
  • einen Taschenrechner
  • einen Kompass
  • eine Sternenkarte
  • ein Navi
  • ein Musikabspielgerät und eine Plattensammlung
  • eine Zeitung
  • ein Wettbüro
  • eine Bücherei
(Quelle: https://www.joeran.de/schule-in-der-digitalen-gesellschaft/#more-3969)

… und noch vieles mehr!

Für Kinder und Jugendliche eröffnet dieses Smartphone einen Kosmos an Möglichkeiten, den sie mit Begeisterung erforschen und für sich entdecken. Die Betätigung mit dem Handy wird zur Entdeckung einer Welt genutzt, in der die Eltern nicht anwesend sind und keine Regeln vorgeben, aber die Freunde, die Freizeitgestaltung und die Lust am Entdecken, auch von Verbotenem, in den Fokus gerückt werden. Es ist absolut nachvollziehbar, dass Kinder von diesen Möglichkeiten und der virtuellen Welt fasziniert sind und sich in ihr bewegen und Grenzen ausloten wollen.

Die Bitcom-Studie hat folgende Interntnutzungsdauern pro Tag festgestellt, die inzwischenzeit zu einem Großteil über das Smartphone erfolgen.

Alter in Jahren durchschnittliche Internetnutzungsdauer pro Tag
6 bis 7 11 Minuten
8 bis 9 16 Minuten
10 bis 11 22 Minuten
12 bis 13 59 Minuten
14 bis 15 93 Minuten
16 bis 18 115 Minuten
Quelle: http://www.t-online.de/eltern/erziehung/kinder-sicher-im-netz/id_69181226/bitkom-studie-so-viel-zeit-verbringen-kinder-im-internet.html

Warum müssen wir dann noch mehr Zeit mit den Neuen Medien in der Schule verbringen? Ist ein Handyverbot und eine Ausklammerung der Neuen Medien, so wie sie Spitzer fordert, in der Schule nicht genau der richtige Weg? Wäre eine internetfreie Schule nicht genau der richtige Ort, um sich wieder zurückzubesinnen? Echte Sozialkontakte zu pflegen, richtig zu lernen?

Leider nein.

Jeder Mensch sieht sich während seiner Entwicklung mit bestimmten Entwicklungsaufgaben konfrontiert, die es zu meistern gilt. Nach Hurrelmann sind dies die vier großen Entwicklungsaufgaben:

1) Aufbau differenzierter intellektueller und sozialer Kompetenzen

2) Aufbau einer eigenen Geschlechtsrolle und Aufbau von Partnerbindungen

3) Nutzung der gesellschaftlichen Strukturen (Konsum, Kommunikation, Kultur, Lebensgestaltung, …)

4) Werteorientierung und politische Teilhabe

Am Ende soll ein vollwertiger, mündiger, kritisch denkender, demokratischer, bindungsfähiger, intellektueller, sich selbst bewusster und engagierter Mensch, also ein vollwertiges Mitglied unserer Gesellschaft, stehen.

Entwicklungsaufgaben sind somit auch Erziehungsaufgaben. Die Einleitungsabsätze der Bayerischen Lehrpläne lesen sich seit Jahrzehnten nahezu identisch. Hier der erste Teil des neuen Lehrplan Plus für bayerische Gymnasien, der voraussichtlich ab dem Schuljahr 2017/18 in Kraft treten wird. Auch hier werden die Bildungs- und Erziehungsaufgaben des Gymnasiums explizit vorangestellt:

Bildungs- und Erziehungsauftrag des Gymnasiums

Der Mensch sucht soviel Welt als möglich zu ergreifen und so eng, als er nur kann, mit sich zu verbinden. (Wilhelm von Humboldt)

Unsere Welt ist in zunehmendem Maße durch hohe Komplexität geprägt. Damit sich die Kinder und Jugendlichen in ihr orientieren, sie je nach ihren persönlichen Möglichkeiten mitgestalten und in ihr schließlich als mündige Mitglieder der Gesellschaft sinnvoll und verantwortlich handeln können, müssen sie auf der Grundlage einer Wertorientierung entsprechende Einstellungen und Haltungen entwickeln, das notwendige anschlussfähige Wissen erwerben und Kompetenzen aufbauen, die ihrem jeweiligen Begabungsprofil gemäß sind. Kinder und Jugendliche, die sich geistig fordern lassen, finden im Angebot des Gymnasiums einen Zugang zu unserer Welt, bei dem neben einer grundlegenden Handlungsorientierung Fachlichkeit und Wissenschaftspropädeutik  einen besonderen Stellenwert besitzen.

Das Gymnasium ist dabei den obersten Bildungs- und Erziehungszielen verpflichtet, die in Art. 131 der Bayerischen Verfassung festgelegt sind: „Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden. Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt. Die Schüler sind im Geiste der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinne der Völkerversöhnung zu erziehen.“

Quelle: https://www.isb.bayern.de/schulartuebergreifendes/paedagogik-didaktik-methodik/kompetenzorientierung/

Die Schule verpflichtet auch im Neuen Lehrplan wieder zusammen mit den Eltern Bildungs- und Erziehungsaufgaben zu übernehmen.

Nun bewegen sich unsere Schüler und Kinder bis zu 115 Minuten pro Tag in einer digitalen Welt, die zu häufig weder in der Schule noch im Elternhaus in der Erziehung beachtet wird. Zu oft wird sie von beiden Seiten als nicht existent oder relevant abgetan. Das Gegenteil ist aber der Fall. Diese Welt gewinnt immer mehr an Bedeutung und wird von Kindern immer öfter und länger aufgesucht. Die Trends der Internet- und Smartphonenutzung sind hier mehr als eindeutig. Ein Klassenleiter in der neunten Klasse eines Gymnasiums, der sein Fach dreistündig unterrichtet, hat 2 Stunden und 15 Minuten in der Woche Zeit, um für sein Fach diese Erziehungsziele umzusetzen. Dem stehen bei einem 14-15-Jährigen statistisch über 10 Stunden und 30 Minuten Internetnutzungszeit in der Woche gegenüber. Es steht deshalb zu befürchten, dass sich die Kinder in dieser Zeit „selbst erziehen“ und sich Weltanschauungen, Werte und Vorstellungen aneignen, die im Gegensatz zu den Normen und Werten der analogen Gesellschaft stehen (können). Hier drei Fallbeispiele, die auf tatsächlichen Ereignissen basieren:

Fallbeispiel 1: Eine Schülerin liest auf Facebook einen Eintrag über Flüchtlinge, der von einer Mitschülerin geteilt wurde. Es handelt sich dabei um einen Post, der von Übergriffen von Flüchtlingen aus Nordafrika auf deutsche Mädchen berichtet. Mehrere minderjährige Mädchen sollten dabei sexuell belästigt worden sein. Als Grundlage dient ein eine Nachrichtenmeldung. Der Post hat bereits mehrere Likes erhalten und wurde mehrfach von Mitschülern kommentiert und geteilt. Das Meinungsbild in den Kommentaren ist weitestgehend einheitlich: Alle zeigen sich betroffen und fordern schnelle politische Maßnahmen. Einige Kommentare sind aber im Tonfall und in der Aussage deutlich drastischer. Man fordert hier sofortige Abschiebung, höhere Strafen und kategorisiert ganze Menschengruppen. Diese Kommentare erhalten die meisten Likes. Eine Woche später erfolgt in den Printmedien und im Fernsehen eine Gegendarstellung. Bei der Nachricht im Facebook-Post hatte es sich um eine Fake-News gehandelt.

Fallbeispiel 2: Eine 6. Klasse beschließt einen WhatsApp Klassenchat einzurichten. Ein Schüler übernimmt die Organisation und erstellt die Gruppe, dazu trägt er von allen Mitschülern die Handynummern zusammen. Zwei Schüler in der Klasse geben an, dass sie kein Handy haben und eine Schülerin gibt an, dass sie von ihren Eltern nicht die Erlaubnis hat WhatsApp zu nutzen. Die WhatsApp-Gruppe wird dennoch gegründet. Das erste Thema, das im Chat diskutiert wird, sind die drei Schüler, die nicht darin teilnehmen. Die Kommentare sind teilweise sehr verletztend. Sogar der Klassensprecher der Klasse macht Witze über die drei Schüler.

Fallbeispiel 3: Ein Mädchen, das aus einer ländlich geprägten Region stammt und einen sehr begrenzten Freundeskreis hat, meldet sich mit 13 Jahren bei Facebook an. Bei der Erstellung ihres Profils gibt sie sich sehr viel Mühe und versucht sich so gut wie möglich zu präsentieren. Sie verwendet Selfie-Profilbilder und legt Alben an, die öffentlich einsehbar sind. Sie erhält innerhalb kurzer Zeit sehr viel positives Feedback von ihren Freundinnen und erhält zahlreiche Freundschaftsanfragen, die sie alle annimmt. Auch Jungen schreiben an ihre Pinnwand und sagen ihr, dass sie sehr hübsch sei. Sie fühlt sich geschmeichelt und freut sich sehr über ihren neu dazugewonnenen Status. Im Vergleich zu ihren Freundinnen konnte sie innerhalb kürzester Zeit viel mehr virtuelle Freunde gewinnen. Sie beschließt, noch mehr Zeit und Mühe in diesen sehr erfolgsversprechenden sozialen Bereich zu investieren.

Diese Beispiele sollen verdeutlichen, wie wichtig regulatives Eingreifen in diesen Fällen gewesen wäre und sollen die potentiellen drastischen Negativauswirkungen für die betroffenen Personen verdeutlichen.

Die digitale Welt wirkt in die reale Welt hinein, prägt und formt Werte und Anschauungen und beeinflusst die Persönlichkeits- und Charakterbildung entscheidend mit.

Das „Sich-Selbst-Erziehen“ in der virtuellen Welt kann gut gehen: Junge Menschen bilden digitale Freundschaften und pflegen diese, sie nutzen die sozialen Plattformen, um sich zu präsentieren und eine eigene Geschlechterrolle aufzubauen, Sie kommunizieren auf verschiedenen Wegen, sie beteiligen sich bei Online-Aktionen gegen Rassismus oder nutzen die zusätzlichen Lernangebote der Schule.

Sehr oft geht es aber schlecht aus:

Jeder dritte Schüler hat im Internet schon Negativerfahrungen machen müssen. Dies können Fälle von Beschimpfungen oder auch Cybermobbing sein. Viele kommen in Kontakt mit unpassenden Inhalten. 10% der 10-11-Jährigen hatte im Internet schon mal Kontakt mit Gewalt, Pornografie oder extremistischen  Inhalten. Bei den 12-13-Jährigen sind es 13% (KIM-Studie 2016). Kaum ein Jugendlicher bildet von alleine eine richtige Einstellung gegenüber dem Urheberrecht von Inhalten im Netz aus. Die wenigsten Jugendlichen bewerten die Inhalte, auf die sie im Netz stoßen kritisch. Kaum ein Schüler weiß über die Vorgaben des Rechts am eigenen Bild Bescheid. Zu viele Schüler haben zu geringe Medienkompetenzen.

Wenn eine Schule keine medienpädagogische Arbeit betreibt und einfach ein Handyverbot ausspricht und die Neuen Medien ausklammert, dann liegt die Verantwortung für die Erfüllung der Erziehungsziele, die aus den Anforderungen der digitalen Welt kommen, alleine bei den Eltern. Dass diese damit hoffungslos überfordert sein müssen, ist völlig logisch. Welches Elternteil weiß schon über Urheberrechte, Creative-Commons Lizenzen, sozial-dynamische Prozesse auf sozialen Plattformen, den Einfluss von Fake-News oder Lernplattformangebote in Schulen bescheid.

Schule muss deshalb medienpädagogisch arbeiten und Medienkompetenzen fördern. Um dies effektiv zu gestalten, ist die Zusammenarbeit mit den Eltern unabdingbar. Das Konzept muss zudem vom Kultusministerium unterstützt und zusammen mit externen Partner vorangetrieben werden.

Dazu sollte eine Erziehungspartnerschaft zwischen Kultusministerium, Schule, Eltern und externen Partnern, z.B. medienpädagogischen Organisationen gegründet werden. Diese Erziehungspartnerschaft sollte folgende Punkte festlegen:

Die Eltern verpflichten sich, dass

  • ein Kind seinem Alter entsprechend ein definiertes Maß an Internetnutzung pro Tag nicht überschreitet.
  • ein Kind nicht über eine Datenflatrate am Handy verfügt und die Handynutzung im häuslichen Bereich klar geregelt ist
  • die Internetnutzung zuhause geregelt, zeitlich begrenzt und gefiltert ist.
  • Vereinbarungen gibt, die die Dauer der Computer- und Internetnutzung zuhause für schulische Tätigkeiten ermöglichen, aber auch begrenzen
  • die gesetzlichen Vorgaben zum Jugendschutz bei Computerspielen streng zu befolgen
  • die Bildschirmzeit zuhause mit Bewegung, Sport und sozialen Freizeitgestaltungen kompensiert wird.
  • sie die Aktivitäten ihrer Kinder in den Neuen Medien begleiten und die Neuen Medien mit Ihnen zusammen nutzen.
  • sie bestimmte Formen der Nutzung der Neuen Medien immer erlauben, z.B. die Nutzung der Tageszeitung als E-paper und andere Formen immer verboten sind, z.B. die Nutzung von sozialen Netzwerken vor dem Schlafengehen.
  • sie eine Vorbildrolle annehmen, was die Handy-, Internetnutzung und Screentime betrifft.

Die Schule verpflichtet sich:

  • ein geeignetes schulinternes Fortbildungskonzept zu institutionalisieren, das Lehrern hilft, selbst Medienkompetenzen zu erwerben.
  • Schüler rechtzeitig präventiv über Gefahren im Internet zu informieren.
  • Medienkompetenzen in verschiedenen Bereichen zu  vermitteln, z.B. die kritische Bewertung von Inhalten, die Fähigkeit Medienprodukte zu erstellen, die Dynamiken in sozialen Netzwerken zu kennen, Kenntnisse der Grundlagen des Urheberrechts und über das Recht am eigenen Bild, allgemeine Vermittlung einer Netzethik.
  • ein entsprechendes medienpädagogisches, fächerübergreifendes Konzept zu entwicklen.
  • medienpädagogische Angebote in den Fächerkanon aufzunehmen und zu institutionalisieren.
  • einen produktiven und kreativen Umgang mit den Neuen Medien zu vermitteln.
  • den Mehrwert der Neuen Medien für die Unterrichtsgestaltung konsequent zu nutzen.
  • die Fähigkeit des Tastschreibens zu vermitteln und die Kenntnisse von Programmiersprachen
  • eine Rückbesinnung auf alte und traditionelle Medien nicht zu vergessen und diese auch kontrastierend zu nutzen.
  • digitale Zusatzangebote schafft, die die Schüler nutzen können, um sich zu verbessern oder Lücken zu schließen.
  • Eltern über geeignete Kanäle (nicht über Elternbriefe) über Hilfestellungen bei der Erziehungsarbeit mit den Neuen Medien zukommen zu lassen, über den Schulkonsens, wissenschaftliche Erkenntnisse und Trends zu informieren.
  • sich mit anderen Schulen zu vernetzen, um medienpädagogisches Wissen auszutauschen

Das Kultusministerium verpflichtet sich:

  • die Institutionalisierung des Fachs Medienbildung voranzutreiben.
  • die Lehreraus- und -fortbildungen an die aktuelle Situation strukturell und politisch anzupassen.
  • sofort nach der Rückkehr zum G9 im gymnasialen Bereich entsprechende bildungspolitische Maßnahmen zu ergreifen, die diesen Prozess fördern.
  • die Medienreferenzschulen in ihrem Status zu stärken.
  • das Konzept Medienreferenzschule wiederzubeleben.
  • die Mediennutzung, den Medieneinsatz und die Fortbildungsbereitschaft der Lehrerschaft beurteilungsrelevant zu machen.
  • Die Verknüpfung zwischen externen Partnern (Universitäten, Bildungseinrichtungen, Wirtschaft) voranzutreiben und zu koordinieren.
  • Die Bildungs- und Erziehungsziele des Lehrplans anzupassen.
  • Schulen, die Vorreiterrollen in der Medienbildung übernehmen Privilegien zugestehen.
  • Sich aktiv im 5 Milliarden-Programm der Bildungsministerin Wanka einzubringen.
  • Stundenbudgets und finanzielle Mittel für Schulen bereitszustellen, die in diesem Bereich tätig sind.
  • die Bildungspartnerschaft mit externen Partenern zu koordinieren und abzustimmen

Die externen Partner, hier am Beispiel einer Universität

verpflichten sich dazu:

  • interessierten und leistungsfähigen Schülern bereits in der Schulzeit gezielt universitäre Angebote online zur Verfügung zu stellen.
  • einen Kompetenzanforderungskatalog bezüglich der Neuen Medien zu erstellen und zu kommunizieren.
  • Bei der Entwicklung von medienpädagogischen Konzepten mit Schulen zusammenzuarbeiten und als Experte für konkrete Fragen zur Verfügung zu stehen.
  • Den Medienkompetenzbegriff so genau wie möglich zu präzisieren und zu vereinheitlichen, um darauf konkrete Bildungs- und Erziehungsziele fußen zu lassen.

hier am Beispiel eines Wirtschaftsunternehmens:

  • das aktuelle Anforderungsniveau und Standards der erforderlichen Medienkompetenzen in ihrem beruflichen Feld so genau wie möglich zu definieren und zu kommunizieren.
  • eine zukünftige berufliche Mediennutzungssituation so genau wie möglich zu prognostizieren.
  • die Einbringung von fehlenden Bildungszielen für den beruflichen Bereich in den Lehrplan zu unterstützen.
  • Fortbildungsbedarfanalysen im beruflichen Bereich als Grundlage für schulische und universitäre Angebote bereitzustellen
  • keinen Einfluss durch Sponsoring und Werbung auf eine unabhängige Medienarbeit in Schulen und Universitäten zu nehmen.
  • Als externer Partner in der schulischen Medienerziehung zur Verfügung zu stehen.

Diese Liste von Forderungen wird von vielen Beteiligten sicherlich abgelehnt werden. Viele werden Vorbehalte haben oder sehen immer noch keinen Handlungszwang. Von seiten des Kultusministeriums in Bayern kann man nicht erwarten, dass die digitale Offensive im Bildungssytem, insbesondere im Gymnasium, in den nächsten Jahren angegangen wird. Hier stehen alle Zeichen darauf, die stark meandrierende Bildungspolitik der letzten Jahrzehnte im bayerischen Gymnasialbereich wieder zu begradigen. Ab dem Schuljahr 2017/18 werden alle bayerischen Gymnasien wieder zum G9 zurückkehren. Die Konzeptpapiere der Kultusministerkonferenz zur Bildung in der digitalen Welt oder die Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft, die auf Bundesebene beschlossen wurden, werden also wahrscheinlich erst mit deutlich zeitlicher Verzögerung in den bayerischen Gymnasien ankommen.

Inzwischenzeit erziehen sich die Kinder und Jugendlichen weiterhin selbst.

Quelle Beitragsbild: flickr.com
Free to use, just give credit and mention SPERA and link to www.spera.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s