Urheberrecht in er Schule: Was man darf und was nicht

Neulich auf einer Fortbildung kam erneut die Frage auf: „Gelten im Netz die selben Bestimmungen für das Kopieren, wie sie in der echten Welt gelten? Was die Kollegin damit meinte war, ob man auf der Lernplattform mebis im gleichen Ausmaß „Kopien“ für die Schüler bereitstellen darf, wie man z.B. gedruckte Kopien im Klassenzimmer verteilen darf.

Eine gute Frage!

Die Kopierbestimmungen an Schulen sind seit 2013 neu geregelt. Auf dieser Website des Sekretariats der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland sind die Regeln genau dargestellt.

JEDOCH VORHER EIN DISCLAIMER: ICH BIN KEIN DATENSCHUTZBEAUFTRAGTER UND HABE KEINE VERTIEFTEN KENNTNISSE ÜBER URHEBERRECHTE. DIE NACHFOLGENDEN INHALTE SIND NICHT JURISTISCH GEPRÜFT UND KÖNNEN U.U. FALSCH SEIN. SIE BASIEREN LEDIGLICH AUF EINER WEBSITE UND SIND BESTEN WISSENS UND GEWISSENS VON MIR ZUSAMMENGETRAGEN UND AUSGEWERTET WORDEN. ES WIRD KEINE VERANTWORTUNG FÜR SICH DARAUS EVENTUELL ERGEBENDE JURISTISCHE KONSEQUENZEN ÜBERNOMMEN!

Die extrem vereinfachte Faustregel für eine analoge Kopie eines Lehrwerkes lautet:

10% eines Schulbuches, das  nach 2005 erschienen ist, aber nicht mehr als 20 Seiten pro Schuljahr.

Nun zum digitalen Bereich. Hier gibt es zwei wichtige Kernaussagen:

1)

Im digitalen Bereich gilt diese Regelung anscheinend genauso, solange sich die digitalen Kopien, auch Digitalisate genannt, in einer „geschützten Umgebung“ befinden. Als Beispiel wird hier ein passwortgeschützter Bereich auf dem Schulserver genannt, auf den nur der Lehrer und seine Schüler Zugriff haben. Auch andere Kollegen dürfen keinen Zugriff darauf haben.

und 2)

Bei der Kategorie „Was geht, was nicht?“ wird konkret die Frage nach der Speicherung von Digitalisaten in einer Lernplattform gestellt. Darf man Digitalisate an Schülern auf einer Lernplattform zur Verfügung stellen? Die Antwort lautet NEIN. Hier wird gesagt, dass man sie ausdrucken darf (logisch), am Whiteboard/Smartboard zeigen darf (auch logisch) und den Schülern per Email zukommen lassen darf (!)

Ich fasse zusammen:

Man darf Schülern Digitalisate …

  • … auf einem passwortgeschütztem Schulserver
  • ….und per Email zukommen lassen.

Im Gegenschluss darf man Schülern Digitalisate …

  • … nicht auf einer Lernplattform wie mebis zur Verfügung stellen

 

Wie sind diese Regelungen zu verstehen?

  • Man kann diese Regelungen so interpretieren, dass Schulbuchverlage es nicht wollen, dass man einfachen, schnellen und dauerhaften Onlinezugriff auf Schulbuchkopien im Netz hat.
  • Die Schulbuchverlage legen Wert darauf, dass niemand außer dem Lehrer und den Schülern der Klasse Zugriff auf diese Digitalisate hat.
  • Das Zugeständnis der Schulbuchverlage ist, dass man den Schülern Digitalisate im gleichen Maß wie analoge Kopien „zukommen lassen“ kann.

Weshalb sind diese Regelungen unsinnig?

  • mebis bietet genau das, was eigentlich gefordert ist: Eine passwortgeschütze und nur für die Schüler und den Lehrer zugängliche Umgebung. Ob ein Schulserversystem diese Anforderungen erfüllt ist oftmals fraglich. Im Jahr 2013 war bei den Entscheidungsträgern mebis wohl noch nicht am Schirm.
  • Sind die Digitalisate erstmal bei den Schülern, ist eine Weitergabe eh nicht mehr kontrollierbar.
  • Der Versand von Digitalisaten über einen Emailserver, der nicht einmal genauer definiert ist, ist alles andere als sicher und steht im krassen Widerspruch zum geforderten gesicherten Schulserver zur Ablage von Digitalisaten.

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

  • Digitalisate sollen wohl nicht „online-stehen“, können aber wohl online „transportiert“ werden.
  • Schülern per Email Digitalisate zukommen zu lassen, ist mit zahlreichen Schwierigkeiten und viel Organisationsaufwand verbunden.

Was ist nun der geschickteste und (hoffentlich) legale Weg Schüler an Digitalisate zu bringen?

  • Die sichere Variante: Man kann in mebis allen Teilnehmern eines Kurses eine Mitteilung schicken, in der auf Digitalisate hingewiesen wird, die auf dem Schulserver hinterlegt sind. Hierfür gibt es zwei einfache Möglichkeiten. Erstens die Mitteilung an alle (siehe dazu diesen Blogeintrag) oder man erstellt einen Forumseintrag, der als Email verschickt wird. Dazu ist es aber notwendig, dass alle Schüler ihre Email-Adresse in mebis hinterlegt haben.
  • Die zweifelhafte Variante: Bei der Mitteilung kann in mebis kein Dateianhang beigefügt werden, im Forum jedoch schon. Das bedeutet wohl, dass man das Forum wohl nutzen könnte, um die Digitalisate per Email zu verschicken. Der Forumseintrag muss aber nach der Zustellung wieder gelöscht werden, da es sich sonst um das zur Verfügung Stellen von Digitalisaten handelt, das explizit verboten ist. Auch hier müssen alle Schüler ihre Email-Adresse in mebis eingetragen haben. Tipp: Die Forumseinstellungen definieren, wie groß die angehängte Datei sein darf.

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu “Urheberrecht in er Schule: Was man darf und was nicht

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