USK-18 Computerspiele unterm Weihnachtsbaum

Was wünschen sich die Jungs im Teenageralter zu Weihnachten? Handys, Spielekonsolen und Computerspiele. Dabei fallen die Computerspiele preislich noch am günstigesten aus. Für die aktuellen Verkaufsschlager zahlt man je nach Plattform, Konsole oder PC, je nach Verkaufschartsplatzierung und Edition zwischen 20 und 70 Euro. Also das perfekte Weihnachtsgeschenk. Wenn man nur Ahnung davon hätte, was das eigentlich für ein Spiel ist, was sich der Sprössling da wünscht.

Momentan sehen die Top-10 der verkauften Computerspiele so aus (Stand 05.12.2015):

(zum Vergrößern auf die Bilder klicken! Quelle: http://www.gamestar.de/charts)

Wenn man sich nur kurz die zehn am besten verkauften Spiele anschaut, fällt einem sofort auf, dass vier von zehn Spielen keine Jugendfreigabe haben, oder anders formuliert ab 18 sind, oder noch deutlicher formuliert nur für Erwachsene sind. Diese Spiele besitzen alle die sogenannte USK-18 Kennzeichnung, die sich unten links als gut erkennbare rote Raute auf dem Cover befinden muss. Sie dürfen in Deutschland beworben werden, z.B. sehr intensiv vor Weihnachten im Fernsehen, und sind frei verkäuflich. Um eine Einstufung ab 18 zu erhalten, muss/kann ein Spiel Tötungs-, Vergewaltungs-, Sex- oder Folterszenen enthalten, die aber den Gesamtcharakter des Spieles nicht dominieren und die Entwicklung von Jugendlichen nicht nachhaltig negativ beeinflussen. Alle darüber hinausgehenden Spiele werden – oder sollten – jedoch indiziert werden, insbesondere wenn noch verfassungsfeindliche Symbolik verwendet wird. Der Sinn einer Indizierung liegt darin, dass es Jugendlichen nicht so leicht ermöglicht wird mit Material in Kontakt zu kommen, dass entweder stark jugendgefährdend ist oder sogar verboten. Die Indizierung ist somit ein wichtiger Schutzmechanismus und keine Gängelung von mündigen Erwachsenen, wie es viele Indizierungsgegner gerne darstellen.

Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ist kurzgesagt das für Computerspiele, was die FSK für Filme ist. Sie sind sogar eine zusammenhängende Organisationen, die auf bestimmten Gebieten kooperiert und sich abstimmt. Neben der Alterfreigabe ist die USK auch für die Indizierung von Spielen verantwortlich, also für das generelle Verkaufsverbot. Man könnte meinen, dass dieser Job eigentlich nicht so schwer sein kann. Man zockt die Computerspiele und legt dann in der Gruppe gemeinsam fest, ob das Spiel in eine der fünf USK-Kategorien fällt oder ob es in Deutschland verboten werden soll. Diese sind:

Quelle: http://www.usk.de/pruefverfahren/alterskennzeichen/

USK

Das Gremium, das über die Alterseinstufung und die Freigabe für den deutschen Markt abstimmt besteht aus Pädagogen, Journalisten, Sozialwissenschaftlern und Jugendbeauftragten, z.B. von Kirchen oder sozialen Einrichtungen. Alle sollen ein Interesse am Medium haben und keine Verbindungen zu Spiele- oder Hardwareherstellern haben. (Quelle: Wikipedia). Es sind also keine ausgewiesenen Spieleexperten im Gremium und das merkt man auch:

Bei den Bereichen USK 16 bis USK 18 und bei der Indizierung zeigt sich die USK alles andere als kompetent. In den letzten Jahren kamen immer wieder Spiele auf den Markt, die entweder indiziert oder höher eingestuft hätten werden müssen. Also genau in dem Bereich, in dem es am Wichtigsten ist, da schwächelt das System und erzeugt somit ein verschwommenes Bild von dem, was Eltern eigentlich als klare Orientierungshilfe hätte dienen sollen.

Oder provokativ ausgedrückt: Die USK hat dafür gesorgt, dass es Eltern noch schwerer gemacht wird ihre Kinder zu schützen.

Indizierungsgegner werden sofort kontern: „Kauft Euren Kindern keine USK-18 Spiele. Wenn Ihr das macht, seid ihr selber Schuld“. Richtig. Soweit! Aber durch USK-Fehlentscheidungen können jetzt Spiele, die nie beworben hätten werden dürfen, nun doch einem breiten Jugendpublikum bekannt gemacht werden, die diese natürlich auf ihren Wunschzettel setzen. Das bekannteste und erfolgreichste Computerspiel überhaupt „GTA 5“ (Grand Theft Auto 5) wurde 52 Millionen Mal verkauft. GTA5 wurde beim Release 2014 massiv medial beworben, obwohl es eigentlich – meiner Meinung nach – auf den Index gehört. Sich als Elternteil gegen diese massive Marketing-Kampagne und die Flut an positiven Rezensionen zu stemmen, ist schon viel abverlangt. Besonders, da das Spiel über weite Strecken tatsächlich harmlos und unterhaltsam ist. Die USK hätte den Erziehungsauftrag der Eltern unterstützen sollen und das Spiel indizieren müssen. Taten Sie aber nicht. Und das ist nicht die einzige Fehlentscheidung in letzter Zeit:

Hier einige der krassesten Fehlentscheidungen der USK:

  • Im bereits genannen GTA 5 (Platz 1 der Charts) gibt es eine Folterszene, bei der der Spieler ein an einen Stuhl gefesseltes Opfer mit verschiedenen Folterinstrumenten zu einer Aussage zwingt. Er hat die Möglichkeit das Opfer mit Elektroschocks gefügig zu machen, ihn mit einer Rohrzange die Kniescheibe zu zertrümmern, mit einer Zange Zähne auszureissen und abschließend vollzieht der Spieler am Opfer noch die Foltertechnik des „Waterboarding“. Alles hochaufösend und direkt gezeigt. Diese Spielszene ist spielentscheidend und kann nicht umgangen werden. Man muss als Spieler einen virtuellen Menschen foltern, der um sein Leben fleht. Für mich ist dies ganz klar ein Kriterium das Spiel auf den Index zu setzen, um es für Jugendliche schwerer verfügbar zu machen. Ich hätte als Mitglied des Gremiums gegen eine USK-18 Freigabe gestimmt, da die Folterung als spielbestimmendes Element im Spiel verankert ist. Wäre sie optional, hätte ich einer USK-18 Freigabe zugestimmt. Selbst die Gamer-Community scheint sich an diesem Punkt aufzuspalten, wie dieser Text belegt. Die Videos zur Folterszene sind problemlos als „Let’s play-Videos“ bei YouTube verfügbar, da es sich ja um Spielevideos handelt und keine echten Personen zu schaden kommen. Links zu den Videos werde ich absichtlich keine setzen.
  • 2009 kam „Call of Duty – Modern Warfare 2“ auf den Spielemarkt und sorgte für einen Skandal. In diesem Spiel musste der Spieler die Rolle eines Geheimagenten einnehmen, der es geschafft hat eine Terrorgruppe zu infiltrieren. Im Spiel gibt es eine verpflichtende Mission, bei der der Terrortrupp und der Spieler gemeinsam ein Massaker auf dem Moskauer Flughafen vollführen. Diese Mission ist ein Amoklauf, den der Spieler entweder untätig oder aktiv miterlebt. Hunderte vom Menschen werden dabei durch Erschießen getötet. Auch hier ist die Darstellung extrem grafisch und brutal. Es das digitale Abbild eines eiskalten Terrorattentats. Dieses Spiel wurde trotz Protesten mit der Einstufung USK-18 versehen und wurde nicht indiziert. Später reagierten die Spieleentwickler auf den allgemeinen Protest und entschärften das Spiel für den deutschen Markt. Dem Geheimagenten wurde die Möglichkeit genommen aktiv am Massaker teilzunehmen, d.h. er durfte niemanden erschießen, musste aber mitlaufen und zusehen, wie die Terroristen die Menschen niedermetzelten. Wo bleibt denn da die Logik? Das ist provokativ und dumm zugleich! Auch dieser Missionsabschnitt kann auf YouTube angesehen werden. Wer ihn gesehen hat, wird hernach nur noch ungläubig den Kopf schütteln. „Sowas darf in Deutschland beim Media-Markt verkauft werden?“ – „Ja, darf es!“
  • Den Vogel hat die USK aber mit der Spieleserie „Mortal Kombat“ abgeschossen. Dieses ultrabrutale Beat’em up Spiel, bei dem immer zwei Gegner bis zum Tod gegeneinander kämpfen müssen, stand seit seiner ersten Veröffentlichung in den 1990er Jahren immer auf dem Index. Kein Wunder, da ein Kernelement des Spieles die möglichst brutale Tötung des Gegners am Schluss eines Kampfes war. Eines muss man den Enwicklern lassen: Über Jahrzehnte hinweg haben sie sich immer neue, brutalere und verstörenderere Tötungszenen einfallen lassen. Hier zeigt die menschliche Kreativität wohl keine Grenzen. Wer Interesse daran hat, kann auch diese ungeschnitten auf YouTube ansehen. Die USK hat das Spiel, statt es auf den Index zu setzen, wo es eindeutig hingehört, eine USK-18 Einstufung verpasst. Selbst renommierte Computerspielkenner und die Spieler-Community haben sich erstaunt, verwundert und auch belustigt über diese Entscheidung geäußert, wie hier zu sehen ist. Die Begründung der USK für diese Entscheidung, die auch im Videolink thematisiert wird, ist einfach nur lächerlich und bizarr.

Zusammenfassend kann man festhalten: Die USK sollte eigentlich gerade in den Bereichen eine Hilfestellung geben, in denen sie besonders notwendig ist. Nämlich bei den Spielen zwischen 16 und 18 und den indizierten Spielen. Die Indizierung sollte eigentlich die Jugend schützen. Jetzt weicht die USK diese Grenzen sogar auf. Wer die Aussage, dass Spiele wie GTA5 und Mortal Kombat Jugendliche NICHT nachhaltig negativ beeinflusst in die Welt setzt und massenhaft verbeitet, hat seine Aufgabe verfehlt. Tut mir leid USK. Das ist meine Meinung.

Meine Empfehlungen sind:

  • Orientieren Sie sich an den USK Vorgaben. Bleiben Sie jedoch kritisch!
  • USK-18 Spiele sind für Jugendliche unter 18 tabu! Achten Sie auch darauf, dass Ihr Kind nicht mit diesen Spielen, z.B. über Freunde, in Kontakt kommt! Diese Spiele könnten die Entwicklung Ihres Kindes nachhaltig negativ beeinflussen.
  • Ein USK-18 Spiel könnte auch ein falch bewertetes indiziertes Spiel sein.
  • Wenn ihr Kind 16 Jahre alt ist und sich ein Spiel mit USK-16 wünscht, sollten sie als Elternteil trotzdem nochmal recherchieren, ob die Einstufung auch ihrer Meinung nach korrekt ist, da die USK – meiner Meinung nach – nicht zuverlässig arbeitet.
  • Machen Sie als Elternteil nicht die selben Fehler wie die Mitglieder des USK-Gremiums! Holen Sie sich Informationen von Spieleexperten. Falls Sie keine Zeit dafür haben beauftragen Sie Ihr Kind, dass es die Informationen der bekannten und renommierten Spieleredaktionen recherchiert und zusammenfasst. Die bekannte ist wohl die „Gamestar.de“.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s