Das perfekte Klassenzimmer

Wenn man als Lehrer bei einer Fortbildung in andere Schulen kommt, beginnt sofort der Blick zu schweifen: „Aha, die haben Dokumentenkameras und WLAN in den Klassenzimmern! Aber dafür fehlen Waschbecken, soso!“

Man vergleicht automatisch die technische und bauliche Ausstattung mit der eigenen Schule und überlegt sich dann, welche Möglichkeiten man hätte, wenn man an dieser Schule und in diesem Klassenzimmer selbst unterrichten würde.

Da stellt sich natürlich die Frage: Wie sieht denn das perfekt eingerichtete und medial ausgestattete Klassenzimmer aus?

Natürlich gibt es hierzu keine pauschal gültige Antwort. Ein Erdkundefachraum muss natürlich anders ausgestattet sein als ein Physiksaal. Aber bestimmte Prinzipien sind auch hier immer gleich. z.B. das Prinzip der Visualisierung:

Wenn der Lehrer etwas verdeutlichen möchte, muss er visualisieren. Dies geht z.B. mit dem Overheadprojektor. Das geht aber auch mit einer Dokumentenkamera. Mit der Dokumentenkamera kann man alles visualisieren, z.B. Karten, Bilder, Text, und sogar Gegenstände. Das Bild  kann gespeichert und verändert werden und kann einfach digital, z.B. auf mebis verteilt werden. Bezüglich der Nutzbarkeit und der Möglichkeiten ist die Dokumentenkamera dem Projektor deutlich überlegen. Der Schluss liegt also nahe, dass ein gut ausgestattetes Klassenzimmer eine Dokumentenkamera haben sollte.

Wie sieht es aber mit anderen Medien und Einrichtungsgegenständen aus?

Braucht ein Klassenzimmer WLAN? Was ist mit Whiteboards und Smartboards? Was ist mit ganz profanen Dingen, wir z.B. einem Schrank oder dem Waschbecken oder Steckdosen? Haben diese Dinge auch einen Mehrwert?

Ich stelle hier stichpunktartig mein Traumklassenzimmer für das Fach Geografie vor, bei denen ich davon ausgehe, dass sie einen Mehrwert haben:

  • Großes Pult mit Stromanschluss, USB-Anschlüssen und LAN-Anschluss auf der Tischplatte. Im Pult ist eine vertiefte Aussparung für einen flach aufgestellten Monitor, der das projizierte Beamerbild nochmals zeigt. Der Monitor sitzt so tief, dass er nicht den Blick auf die Klasse/den Lehrer versperrt. Der Beamer verfügt über eine Streaming-Möglichkeit, d.h. wenn der Lehrer oder ein Schüler den Inhalt seines Tablets oder PCs zeigen möchte, kann dieser ohne Kabel über den Beamer abgebildet werden.
  • Auf dem Pult rechts eine Dokumentenkamera.
  • Eine Whiteboardtafel mit Flügeln, die zentral steht und sehr weit nach unten gefahren werden kann.
  • Hinter dem Whiteboard eine große Projektionsfläche, auf die ein richtig starker Beamer projiziert. Wenn das Whiteboard heruntergefahren ist, ist die Projektionsfläche mindestens 3 x 2 Meter groß. Besser noch größer!
  • An den Wänden befinden sich richtige Lautsprecher, keine Computerlautsprecher! Am besten wäre eine Surround-Anlage. Die Lautsprecher sind so weit auseinander, dass sie nicht von der aufgeklappten Tafel verdeckt werden.
  • Im Klassenzimmer gibt es WLAN, das auf Knopfdruck an- und ausgeschaltet werden kann. Es gibt einen halben Klassensatz Tablets, die in einer Ladestation stehen und bei Bedarf entnommen werden können. Sie befinden sich im WLAN und es läuft die Software drauf, die auch auf dem Lehrerrechner ist, z.B. der Diercke Globus
  • Es gibt einen halben Satz aktueller Atlanten.
  • Es werden keine Apple-Produkte verwendet, da diese kein oder nur ein sehr eingeschränktes Dateiverwaltungssystem haben.
  • Die Software ist hauptsächlich Open-Source
  • Neben den digitalen Medien, sollen auch traditionelle Medien vorhanden sein, z.B. eine aufgehängte Weltkarte hinten im Klassenzimmer, oder ein Globus
  • Stellwände, Schrank, Bücherregal, Ablagen mit Ordnungssystem, absperrbarer Lehrerschrank im Pult, magnetische Whiteboardtafel an der Seite.

Was ich nicht dringend oder gar nicht brauche:

  • ein Smartboard
  • ein Waschbecken
  • eine echte Kreidetafel

 

Beitragsbild von Flickr:
Patrick Q„classroom“Attribution-NonCommercial 2.0 Generic (CC BY-NC 2.0)

3 Gedanken zu “Das perfekte Klassenzimmer

  1. Ein Gast

    Au weia, da seid ihr gedanklich aber noch tief in den 90er Jahren gefangen. Im Jahr 2015 noch in den Kategorien Dateisystem und USB-Anschlüsse zu denken – und ohne Apple (?!) – das zeigt, dass das Bildungssystem nichts verstanden hat. Nichts.

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      1. ein schüler

        Ich muss medienreferenzlehrer recht geben. Man darf Apple nicht als Lösung für ein Bildungssystem sehen, denn mit dem Hauseigenen Betriebssystem macht man sich von einer Firma abhängig, was für ein System, welches vielleicht 20 oder 30 Jahre überdauerns soll, im Endeffekt nicht zu tragen ist.

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