Entweder Leberkässemmel oder Handy – Handyverbot in der Schule

Eigentlich ist die Handynutzung in allen Schulen durch die Schulordnung klar geregelt. Hier steht sinngemäß, dass das Handy während der Schulzeit komplett auszuschalten ist und später noch, dass der Lehrer das Handy für pädagogische Zwecke im Unterricht nutzen lassen kann. Die Realität sieht – wie so oft bei den Neuen Medien – wieder einmal anders aus: Entweder hat der Schüler eine Leberkäsesemmel in seiner Hand oder schaut in sein eingeschaltetes Handy.

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Woher kommt diese Gleichgültigkeit gegenüber schulrechtlichen Vereinbarungen? Warum setzten sich so viele über die Schulordnung hinweg?

Ich schildere die Situation aus meiner Wahrnehmung heraus, wie ich sie an meiner Schule momentan erlebe.

Es sind mindestens zwei Gründe:

Erstens die Gleichgültigkeit der Lehrer gegenüber dem Fehlverhalten von Schülern. Noch vor ein paar Jahren wurden Handys einkassiert und im Sekretariat hinterlegt, damit sie dort der reuige Schüler, oder noch schlimmer, die Eltern wieder einsammeln können. Hier muss man sich als Lehrer selber an die Brust schlagen: Man hat immer mehr Augen zugedrückt und irgendwann einfach nicht mehr hingesehen. War doch so eine Maßnahme mit ärgerlichen Gesprächen, Zeitaufwand und Umständen verbunden. Zur Ehrenrettung kann man für die Lehrkräfte anführen, dass sich diese Entwicklung in der gesamten Gesellschaft vollzogen hat. Überall, wo man hinblickt sieht man junge und nicht so junge Menschen in ihr Handy starren. Und gegen gesellschaftliche Veränderungen kann eine Stockwerksaufsicht oder eine Pausenhofaufsicht beim besten Willen nichts ausrichten. Vielleicht hat sogar die Aufsicht führende Lehrkraft in einem unbemerkten Augenblick auf das eigene Handy geschielt? (Welch Unterstellung!)

Zweitens wird diese Form des Handykonsums entweder vom Elternhaus toleriert, stillschweigend akzeptiert und sogar verstärkt. Viel zu viele Kinder und Jugendliche nutzen zuhause 22,5 Stunden das Handy und das Internet wie sie wollen, ohne Vorgaben oder Beschränkungen. Was kann da eine Schule in einer einstündigen Mittagspause und zwei Vormittagspausen à 15 Minuten ausrichten?

Wie sehen mögliche Maßnahmen aus? Was kann man tun? Sollte man überhaupt was tun?

Ich denke, eine härtere Gangart bei der Durchsetzung der Schulordnung führt lediglich zu mehr Ärger, zu mehr Verweisen und unangenehmen Elterngesprächen. Eine echte Veränderung der inneren Einstellung, ein Überdenken des eigenen Handelns wird nicht angestoßen. Neue Handyverbotsschilder entwickeln ihre Wirkungskraft sicher nur in einem extrem kleinen Radius und letztendlich wird sich der Schüler, der sein Handy nutzen will sich einfach noch weiter in eine Ecke des Schulgebäudes verziehen. Wenn überhaupt. Letztendlich werden die kontrollierenden Lehrer irgendwann sowieso verlieren, da der technische Fortschritt gegen die Schulordnung arbeitet: Jetzt schon gibt es Smartwatches am Handgelenk, mit denen man alles machen kann, was man heute mit einem Smartphone machen kann. Diese Smartwatches stellen sich nach außen als einfach Uhr dar, aber in Wirklichkeit sind es voll funktionionsfächige, kleine Computer. Sollen Lehrer neben Handys, Smartphones in Zukunft auch Smartwatches und E-Reader und Tablets einsammeln?

Mein Vorschlag lautet: Das Schulforum sollte sich in dieser Sache zusammensetzen. Eltern, Schülervertreter, Lehrer und Schulleiter sollten gemeinsam das Problem durchdiskutieren. Ich denke, man sollte den Aspekt des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte in den Vordergrund stellen: Nahezu jeder große Internetkonzern oder Produzent von Apps, die auf Smartphones laufen, behält sich das Recht vor Standortdaten zu erheben, Bewegungsdaten aufzuzeichnen oder die Kamera oder das Mikrophon am Handy beliebig einzuschalten. Handys sind Datensammler und machen die Person, die sie nutzen gläsern. Wenn das zuhause passiert, sind nur wenige Personen betroffen, aber in einem öffentlichen Raum, wie z.B. einer Schule viele. Diese Argumentationslinie gibt den Lehrern auch wieder eine echtes Argument an die Hand: Warum soll ich denn mein Handy ausschalten? Na weil Google und die NSA sonst deine Falschantworten im Unterricht mithören können. (War das jetzt zu übertrieben?)

Ich denke das Konzept einer „handyfreien und sicheren Schule“ ist ein Konzept, das Gewicht hat und auch durchgesetzt werden kann.

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