Ich will mein Windows wieder zurück! – Ein Gastbeitrag

Seit einiger Zeit läuft an meiner Schule auf vielen Rechnern Ubuntu. Anfänglich war die Oberfläche dieses Betriebssystems etwas gewöhnungsbedürftig, aber schon nach wenigen Wochen hatte man den Dreh raus: Fenster werden jetzt nicht mehr rechts oben in der Ecke, sondern links oben in der Ecke minimiert oder maximiert. Der Ausschaltknopf ist jetzt unten rechts und sieht etwas anders aus. „Löschen“ heißt jetzt „in den Papierkorb verschieben“. Am Anfang gab es das eine oder andere Problem. Bestimmte Programme liefen nicht richtig oder fehlten. Word war verschwunden und wurde durch Libre Office ersetzt. Oh Schreck! Aber jetzt ist alles eingestellt und konfiguriert und die Rechner laufen einwandfrei und zackig. Das müßte doch jeden freuen … oder?

Tut es nicht!

Der Ruf nach dem alten Windows war deutlich hörbar. „Wir wollen das alte Windows wieder … und auch die Microsoft Office“. So konnte man es im Lehrerzimmer unken hören. Grund? „Weil wir es daheim auch haben! Und weil die Schüler den Umgang mit der Microsoft-Office lernen müssen. Und weil unsere ganzen Dateien nicht mehr kompatibel sind.“

Das ist alles falsch und unlogisch!

Die Schüler müssen nicht den Umgang mit der Microsoft Office erlernen, sondern mit einer Office. Wenn es eine Office gibt, die kostenlos ist und das selbe leistet und im Gegensatz nicht den Rechner und seine Benutzer auspioniert, dann sollte man die doch nehmen, oder? Ja es gibt sie, diese Office: Libre Office. Da ist alles drin, was man braucht: Tabellenkalkulationsprogramm, Schreibprogramm, Präsentationsprogramm, und und und. Wieviel Geld könnte man sich sparen, wenn das jede Schule wüsste. Wieviel Zeit könnte sich der Systemadmin sparen, wenn er sich nicht mit den Lizenzen rumärgern müsste.

Die Dateien wären mit der Microsoft Office und auch ohne irgendwann inkompatibel. Warum? Weil Microsoft proprietäre Standards verwendet. Was das sein soll? Proprietäre Standards kann man ungefähr übersetzen mit: „Wir könnten es zwar einfach machen, aber weil wir es können machen wir es so kompliziert wie möglich!“ Wenn man ein Worddokument speichert, liegt es im microsofteigenen (=proprietär)  Format .docx vor. Ein Format, das nur ein Microsoft Word richtig lesen und öffnen kann. Also braucht man für ein .docx Dokument auch ein Word. Und am besten das aktuellste. So schafft man einen perfekten Kreislauf aus Nachfrage und Angebot. Es gibt jetzt ein neues proprietäres Format, also brauch ich auch ein schönes neues und teures Word. Ach, wie schön!

Dabei wäre die Lösung so einfach: Das offene Dateiformat .odt

.odt ist der kleine unscheinbare Bruder von .docx, der aber inzwischenzeit genau das selbe kann. Mit .odt kann man Texte, Tabellen, Präsentationen, einfach alles speichern und mit allen, ich wiederhole, ALLEN Programmen lesen und öffnen, die offene Dateistandards beherrschen. Sogar in Word kann man eine Datei als .odt speicher und dann einfach ÜBERALL öffnen. Welchen Sinn macht da noch ein Word? Richtig, keinen! Die obige Aussage, dass die Dateien nicht mehr kompatibel wären ist somit einfach nur falsch. Es ist genau andersherum: Word ist nicht kompatibel.

Für mich ist die Sache klar: Ein sichereres, schlankeres, offenes und schnelleres System mit kostenloser Software, die alles kann, ist einem datensendenden, überteuerten Monopolisten und seinem Produkt vorzuziehen, dass sich mit Absicht nicht kompatibel zeigt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s