Grundsätzliches zum Präsentieren in der Schule

Beim Präsentieren kann man viel falsch machen. Der größte denkbare Fehler ist ein langweiliger Vortrag. Die Schüler (und der Lehrer) fallen bereits nach kurzer Zeit ins Koma und niemand nimmt auch nur irgendwas mit, geschweige denn lernt etwas davon.

Die Dos and Don’ts bei Präsentationen in der Kurzform:

Es gibt viele Don’ts, hier die drei wichtigsten:

  • Der Text des Vortrages ist der Text, der auf der PowerPoint Folie zu sehen ist.
  • Es wird nicht visualisiert, z.B. durch Bilder, Grafiken oder Objekte.
  • Der Vortrag wird abgelesen.

Die Dos sind zahlreicher:

  • Der Vortrag muss geübt und das Timing einstudiert werden.
  • Er muss weitestgehend frei gehalten werden. Kleine Karteikarten sind erlaubt.
  • Er muss anschaulich und übersichtlich sein.
  • Er muss verschiedene Medien nutzen, die zur richtigen Zeit zum richtigen Zweck richtig eingesetzt werden.
  • Er muss unterhaltsam sein und zumindest das Interesse am Thema wecken.

Was muss man tun, um die Don’ts zu vermeiden?

  • PowerPoint sollte als reines Visualisierungsmedium genutzt werden. Die Folien sollten wenig Text und viele Bilder, Grafiken oder sogar Filmausschnitte beinhalten. Die Informationsnmedien bei einem Vortrag sind zum größeren Teil das Handout und etwas weniger die Sprache.
  • Es sollte mit Sprache, Gestik und Mimik gearbeitet werden. Die Sprache dient hierbei als hauptsächlich als Informationsmedium, Gestik und Mimik als hauptsächlich Kommunikationsmedium mit dem Publikum. Der Vortrag muss geübt werden, das Timing muss stimmen. Der Sprecher spricht zum Publikum und nicht zu sich. Er stellt auch kurze, rhetorische Fragen ans Publikum. Gestik ist insbesondere bei der Erläuterung von Bildern und Grafiken möglich. Durch Deuten und Zeigen können bestimmte Informationen in den Vordergrund gestellt werden.
  • Jede Präsentation sollte auch ein gewisses Maß an Humor beinhalten. (Ich persönlich mag sogar ein gr0ßes Maß). Hier kann Sprache und Mimik benutzt werden.
Was muss man tun, um die dos zu erreichen?
  • Der Vortrag sollte vor einem Testpublikum gehalten werden. Feedback einholen! Teile in den Vortrag einbauen, die problemlos weggelassen werden können, um das Timing im Notfall anzupassen.
  • Bereits beim Vorbereiten des Vortrags anders an die Präsentation herangehen: Erst Material suchen, dann Infotexte. Beim Material Stichpunkte machen, was man hierzu sagen könnte. Dann mit dem Informationen abgleichen und auffüttern. Sätze nicht ausformulieren!
  • Man kann Anschaulichkeit durch guten Medieneinsatz, klare Strukturierung und ein paar einfache sprachliche Mittel erreichen. Eine Kurzgliederung über das, was im Vortrag kommen wird, ist eigentlich nie abträglich. Hier kann PowerPoint seine Fähigkeiten ausspielen: auf jeder Folie ist ein Fortschrittsbalken, der anzeigt, was noch kommt. Das Material sollte möglichst leicht verständlich sein: Warum eine ganze Tabelle anzeigen, wenn nur drei Zahlen wichtig sind? Warum nicht Symbolhaft arbeiten? Die guten alten russischen Steckpuppen, sind doch anschaulicher, als ein Atomschalenmodell. Warum nicht mit leicht verständlichen Vergleichen und Metaphern arbeiten? Ausschnitte aus Filmen oder Podcasts, reale Gegenstände, Animationen, alles das und viel mehr sind möglich und wünschenswert. Bei der Strukturierung des Vortrags ist es wichtig darauf zu achten, was jedes Medium kann. PowerPoint kann gut Visualisieren, Ein Handout kann gut detailliert informieren und mit Sprache kann man informieren und kommunizieren. Alles sollte gut zueinander gewichtet sein. Sätze wie „aber das sehen sie ja selbst auf der Folie“ sind der Beweis dafür, dass man die Medien falsch eingesetzt hat.
  • Ich persönlich finde, dass Humor ein fester Bestandteil jeder Präsentation sein sollte. Eine Präsentation ist keine Vorlesung und auch keine wissenschaftliche Arbeit. Es ist die Kurzzusammenfassung eines Themas, zu dem man noch viel mehr sagen und schreiben könnte. Eine Präsentation kann nur zu einem gewissen Grad informieren, sollte aber zu einem hohen Grad Interesse und Lust auf ein Thema wecken. Natürlich darf er nicht oberflächlich sein. Hier ist das Handout ein zuverlässiger Weg: Das Handout kann weitere und genauere Informationen und Quellen liefern. Nicht alles was auf dem Handout ist, muss auch im Vortrag angesprochen werden. Hier kann man den Inhaltsbereich deutlich aufwerten ohne dabei den Vortrag zu langatmig zu machen. Ein kurzer Verweis auf das Handout reicht.

Ich persönlich habe nur wenige richtig gute Schülerpräsentationen miterlebt und noch weniger gute Präsentationen von Dozenten und Lehrern. Es scheint sogar inzwischenzeit akzeptiert zu werden, dass ein ausformulierter Vortrag direkt aus dem Textverarbeitungsprogramm projiziert wird. Das ist weder eine Präsentation, noch eine Vorlesung, noch ein Vortrag. Das ist Vernichtung von Zeit, da ich den Text zuhause schneller gelesen hätte und wahrscheinlich besser verstanden hätte.

Hier zwei Beipiele von guten Präsentationen. Sie gehen ganz deutlich in den Bereich Humor und werden also sogenannte „Science-Slams“ bezeichnet.

  1. Das Innere des Protons von Boris Lemmer
  2. Energie – Wie verschwendet man etwas, was nicht weniger werden kann?

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