Das Internet der Dummheit und des Hasses – Teil II: Diskussionskultur und Meinungsbashing

Die jüngsten Entwicklungen bei der Flüchtlingsproblematik haben uns die Rolle der sozialen Netzwerke als Meinungsbildungsplattform wieder einmal klar vor Augen geführt: Auf Facebook findet kein Meinungsaustausch oder ein Dialog statt, sondern Meinungsbashing, soll heißen, stark gegensätzliche Meinungen treffen aufeinander und werden nicht duch Argumente, sondern durch Rhetorik und Wortwahl bestimmt. Der Ton wird dadurch ab einem gewissen Punkt fast immer aggressiv, beleidigend und verletzend.

Den Startschuss in die nächste Runde des dummen und hasserfüllten Internets haben die Moderatoren Joko und Klaas gemacht. Sie haben ein Video mit dem Titel „Ihr seid die Dummheit, die Peinlichkeit“ hochgeladen, in dem sie sich klar gegen Rassismus und Diskriminierung gegen Flüchtlinge in Deutschland aussprechen. Der dabei gewählte Ton ist überdeutlich aggressiv, es werden diese Ausdrücke und Vokabeln „erbärmliche Minderheit“, „Idioten“, „eure Dummheit“, uvm. verwendet.

Aufgrund der hohen Reichweite des bekannten Moderatorenduos in den Netzwerken, wurde das Video drei Tage nach Veröffentlichung über 40.000 Mal geteilt und über 85.000 Menschen haben es geliked. Die Kommentarsektion ist randvoll gefüllt, hauptsächlich mit positiven Kurzkommentaren. Da aber bereits das Anfangsstatement der beiden Moderatoren sehr deutlich ausfällt, sind einige  Kommentare von Menschen mit anderer Einstellung ebenfalls wenig zurückhaltend. Es kommt bereits nach kurzer Zeit zum Meinungsbashing. Der Ton wird schon nach kurzer Zeit herablassend und schon nach wenigen weiteren Kommentaren beleidigend.

Hier zwei originale Threads aus Facebook als Reaktion auf das Joko und Klaas Video, bei denen eine odere mehrere Personen auf einen Kommentar reagieren. Die Threads sind im Word-Format, um sie zu konservieren. Die Klarnamen der Personen wurden beibehalten.

Thread 1 Facebook Kommentare zur Flüchtlingsproblematik

Thread 2 Facebook Kommentare zur Flüchtlingsproblematik 2

Was ist der Grund für diesen undemokratischen, argumentlosen, hasserfüllten Diskussionsstil? Ich denke es sind drei Gründe.

  1. Die Anonymität und „Halbanonymität“ im Netz. Auch wenn man unter Klarnamen Hetzpostings ins Netz setzt, kann man davon aussgehen, dass keine Konsequenzen daraus entstehen. Sobald man ein Alter Ego verwendet, fühlt man sich völlig frei von sozialen und gesellschaftlichen Normen. Wer würde in einer realen Diskussion seinen Diskussionspartner mit Schimpfwörtern beleidigen? Hier greifen noch Normen und Werte, die in der virtuellen Welt verblassen.
  2. Die fehlende Moderation. Facebook und WhatsApp sind kein Chat, sondern eine soziale Plattform. Die Themen werden nicht moderiert und verselbstständigen sich allzu oft. Es gruppieren sich Befürworter und Gegner, die gar nicht mehr aufeinander eingehen können, da der Chatverlauf stetig voranschreitet. Es gibt kaum eine Möglichkeit einen bestimmten Punkt zu vertiefen oder Argumente gegeneinander abzuwägen. Ohne eine neutrale Person entsteht ein kommunikatives Ungleichgewicht, was letzendlich meist dazu führt, dass eine der Parteien den Chat frustriert verlässt.
  3. Die Reichweite. Aufgrund der großen Anzahl von potentiellen Diskussionspartnern zu einem Thema in den sozialen Netzwerken, ist die Wahrscheinlichkeit eine komplett entgegengesetzte Meinung zu finden sehr hoch. Weiterhin ist die Zahl der Personen, die bereit sind, in eine solche Diskussion einzusteigen ebenfalls höher als in bei einer reallen Diskussion. Im Netz finden sich immer zwei Duellanten.

Daraus ergibt sich eine Folge für Personen, die in den Medien eine hohe Reichweite haben, also für Schauspieler, Politiker, Moderatoren, bekannte Youtuber, all jene, die im öffentlichen Interesse stehen und die sozialen Netzwerke nutzen:

Wer eine emotional aufgeladene Diskussion in den sozialen Netzwerken mit deutlichen Worten anstößt, wird bei den Kommentaren mit folgenden Aspekten rechnen können:

  1. Es wird eine übergroße Zahl an Zustimmungen von Fans und Bewunderern geben, die zumeist kurz ausfallen.
  2. Es wird Menschen geben, die gegengesetzte Meinungen vertreten werden.
  3. Es wird Menschen geben, die soziale und gesellschaftliche Normen bei der Diskussion des Themas brechen werden.
  4. Es wird Kommentarverläufe geben, die kaum noch etwas mit dem ursprünglichen Thema zu tun haben oder sich sogar verselbstständigen.
  5. Es wird Menschen geben, die sich auf Wortgefechte auf niedrigem Niveau einlassen werden und sich sogar beleidigen.

In meinen Augen ist das kein produktiver Gedanken- oder Meinungsaustausch. Das Kommentieren von Meinungen in den Netzwerken hat kein Diskussionskultur und ist oft argumentlos. Das niedrige Niveau ist abstoßend und führt lediglich zu einer Meinungsverfestigung und damit zu einer noch stärkeren Polarisierung.

Mein Fazit lautet deshalb: Das Netz ist kein geeigneter Ort, um Themen von Bedeutung zu diskutieren.

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