Der Mythos von der Medienkompetenz

„Wieso sollen wir Schülern den Umgang mit Computer und Internet beibringen? Das können die doch eh besser als wir!“ Solche Äußerungen bekommt man immer wieder von Lehrerseite zu hören, wenn das Thema der Medienkompetenz bei Schülern zur Sprache kommt. Diese Annahme ist gänzlich falsch.

Schüler verfügen lediglich über sogenannte „Lifestyle-Kompetenzen“, was so viel bedeutet wie die Fähigkeit Meinungen auf sozialen Netzwerken zu verbreiten, Termine für gemeinsame Aktivitäten zu vereinbaren, die extrem schnelle Kommunikation mit Freunden, Angebote aus dem Internet zur Freizeitgestaltung zu nutzen oder sich in der digitalen Welt ein aussagekräftiges Profil zuzulegen, um sein eigenes Fremdbild in der digitalen Welt zu aufzuwerten.

Die Neuen Medien, sei es das Internet, der Computer oder das Tablet, sind nur die Träger der eigentlichen Medien Sprache, Bild, Video, Animation und Text. Die Beherrschung technischer Aspekte, wie z.B. der Bedienung eines Gerätes sagt noch nichts darüber aus, wie die eigentlichen Informationsformen genutzt und verarbeitet werden. Die Texte, Animationen, Videos und Podcasts, die über die Neuen Medien an die Schüler transportiert werden, müssen auch verstanden werden. Diese Fähigkeit ist beim Lehrer deutlich besser ausgeprägt und die obige Annahme somit bewiesenermaßen falsch. Lehrer hatten im Cyberspace bezüglich der eigentlichen Medien schon immer Medienkompetenzen und haben diese mit dem Einzug der Neuen Medien auch nicht verloren.

Leider gibt es neben der Lifestyle-Kompetenz und der Medienkompetenz noch eine dritte Form, die weder von Schülern, noch von Lehrern ausreichend beherrscht wird: die sogenannte „Workflow-Kompetenz“. Schüler sehen das Internet und den Computer nicht als Arbeitsmedium, sondern als Unterhaltungs- und Kommunikationsmedium. Oftmals müssen die Schüler das erste Mal überhaupt mit dem Computer sinnvoll arbeiten, wenn sie eine W-Seminararbeit am Ende der Oberstufe tippen müssen und sind daher allzu oft mit solchen Aufgaben überfordert. Lehrer arbeiten üblicherweise jeden Tag mit dem Internet und nehmen den Computer fast immer als reines Arbeitsmedium wahr, können aber das volle Potential und die Leistungsfähigkeit nicht für sich erschließen. Bevor ein Lehrer einmal eine Notenberechnungstabelle in einem Tabellenkalkulationprogramm programmiert, schreibt er lieber alle seine Noten in eine Liste und rechnet sie mit dem Taschenrechner einzeln aus. Schüler, die eine längere Arbeiten in einem Textverarbeitungsprogramm schreiben müssen haben, trotz Informatikunterricht noch nie etwas über Formatvorlagen gehört und sind nicht in der Lage ein korrekt formatiertes Inhaltsverzeichnis für ihre Arbeit zu erstellen. Heuzutage besitzen sowohl die meisten Schüler, als auch Lehrer ein Smartphone, ohne jedoch die Möglichkeiten für den Schulalltag für sich zu nutzen.

Beim Thema Medienkompetenz steht es meineserachtens momentan zwischen Lehrern und Schülern unentschieden.

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