Hausaufgaben in Zeiten von WhatsApp

Wie werden heute Hausaufgaben gemacht?

Handy raus – WhatsApp-Klassenchat öffnen – abschreiben – fertig.

In meinen achten und neunten Klassen existieren schon mehreren Jahren WhatsApp Klassenchats. WhatsApp ist momentan die am häufigsten genutzte social media Plattform bei Schülern. Fast alle Schüler meiner Klassen sind in diesem Chat und vertreiben sich darin die Zeit, teilen Links, Bilder und natürlich auch Hausaufgaben.

WhatsApp kann neben Textnachrichten auch Bilder verschicken. Die Hausaufgaben werden schnell fotografiert und dann hochgeladen. Das passiert mit wenig Aufwand innerhalb von Sekunden und damit hat sie jeder auf Knopfdruck im Klassenschat zur Verfügung.

Dadurch entstehen mindestens zwei unerwünschte pädagogische Folgen: Erstens der Schüler lernt nichts mehr und zweitens auf fleisige Schüler wird ein Zwang durch die Gruppe ausgeübt seine Arbeit zu teilen. Der Gruppenzwang ist mit der größeren Gruppe zudem noch größer und unkontrollierbarer geworden.

In Klassenchats wird immer wieder gepöpelt, beleidigt und einzelne Schüler ausgegrenzt oder sogar gemoppt. Davon sind sowohl Schüler betroffen, die Mitglied im Gruppenchat sind, aber auch diejenigen, die nicht darin sind.

Welchen Sinn ergibt eine schriftliche Englischhausaufgabe, wenn z.B. nur die Lücken in einem Lückentext aufgegeben werden? Der Schüler übernimmt eine Liste von Wörtern ohne Kontext und Verständnis in sein Heft. Es ist dazu nicht einmal nötig die Aufgabe im Buch aufzuschlagen. Der Lerneffekt geht damit gegen null, der Zeitaufwand für den Schüler und die Chance vom Lehrer erwischt zu werden ebenso. Der faule Schüler ist damit klar im Vorteil.

Was kann man als Lehrer dagegen unternehmen? Ich habe mir eine Liste von Maßnahmen überlegt, den Schüler wieder zurück an den Schreibtisch und vor sein Buch (und den PC) zu holen, damit er dort wieder sorgfältig und konzentriert seine Hausaufgaben macht:

  • Den Eltern mitteilen, dass WhatsApp als Hausaufgabenschleuder dient. Sie sollen die Benutzung regelmentieren.
  • Die Schüler auf die negativen Folgen hinweisen. (Wahrscheinlich eher wenig effektiv)
  • Bei der Hausaufgabenstellung deutlich darauf hinweisen, dass individuell gearbeitet werden soll.
  • Als Lehrer viel Wert auf äußere Form, Gestaltung, vielleicht sogar Verschönerung einer Hausaufgabe legen.
  • Den Vortrag üben: Aufgaben und Texte sollen flüssig präsentiert werden können
  • Offene mündliche Hausaufgaben mit hohem Anforderungsniveau und Bewertungsvorgaben aufgeben :

„Ich erwarte, dass die Ergebnisse flüssig und unter Verwendung der neuen Vokabeln nur mit Hilfe des Buchtextes vorgetragen werden können. Ich werde die Ergebnisse als (Teil einer) Unterrichtsbeitragsnote werten. Die Hausaufgabe lautet: 1) Fasse den Inhalt der Geschichte zusammen! 2) Was kannst Du über die Hauptcharaktäre sagen? 3) Den Text fehlerfrei vorlesen können.“

Mit dieser Form der Hausaufgabe habe ich gute Erfahrungen gemacht. Man kommt auf diesem Weg sehr schnell zu Noten, die Unterrichtsbeitragsqualität steigt und der Stoff kann so zügig durchgenommen werden.

Kritiker werden sofort erkannt haben, dass so eine Säule des Fremdsprachenunterrichts verloren geht: das Schreiben (die anderen sind Lesen, Sprechen und Hören). Ich bin inzwischenzeit der Meinung, dass das Schreiben eine Technik ist, die unter Lehreraufsicht effektiver verläuft, weshalb ich einen bestimmten Teil meines Unterrichts nur für Textproduktion reserviere.

Hierzu wird es bald einen eigenen Artikel geben.

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