Tippen vs. Handschrift

„Finnland schafft das Schreiben mit der Hand ab“. Solche und ähnliche Schlagzeilen könnte man Anfang 2015 den Medien entnehmen. Wie können die Finnen das nur machen? Die Handschrift ist doch ein Kulturgut! In Deutschland erzeugte das in der Öffentlichkeit und in den Schulen einen Entrüstungssturm. Wie so oft wurde aber auch hier nur die Schlagzeile diskutiert, aber nicht die Hintergründe und Zusammenhänge, die sich in den letzten Jahren nun mal geändert haben.

Es ist wohl für jeden nachvollziehbar, dass das Tippen von Text in Zeiten der digitalen Textverarbeitung einen deutlich höheren Stellenwert in den Schulen einnehmen muss, als noch von zehn oder fünfzehn Jahren. Die Eingabe von Informationen über die Tastatur ist in der heutigen Berufswelt Grundvoraussetzung  und keine besondere Qualifikation mehr. Dementsprechend muss Tippen in allen Schularten stärker vermittelt werden.

Die Notwendigkeit Texte zügig, korrekt und sauber gelayoutet tippen zu können bringen klare Vorteile mit sich: Der Text ist gut lesbar, ansprechend gestaltet und aufgrund der Rechtschreibkorrektur (bestenfalls) fehlerfrei. Natürlich kann er auch noch digital nachbearbeitet und korrigiert werden. Alles das, was sich ein Leser oder auch der korrigierende Lehrer wünscht.

Der Nachteil ist auch klar: Die motorischen Fähigkeiten des Kindes werden nicht gefördert. Schlimmstenfalls bleiben Sie unterentwickelt und damit auch die Ausdrucksfähigkeit.

Hier gibt es die ersten Überschneidungen zu bestimmten Formen der Handschrift. Die Druckschrift und ihre Nachfolgerin die sogenannte Grundschrift zielen auf Schriftbild ab, das sich an den Printmedien orientiert. Einem Grundschüler soll sich damit die Welt des gedruckten Textes schneller eröffnen. Die persönliche Handschrift soll sich erst später daraus entwickeln.

Druckschrift und Grundschrift sind genau wie das Tippen von Text auf die sogenannte Formklarheit ausgelegt. Falls man die Druck- und Grundschrift abschaffen würde, könnte man immer noch über das Tippen einen absolut formklaren Text erstellen.

Formklarheit ist aber nicht alles, was eine Schrift leisten muss. Gerade in weiterführenden Schulen muss man Texte unter Zeitdruck erstellen können. In schriftlichen Prüfungen müssen Fakten und Zusammenhänge schnell niedergeschrieben werden können. Der Prozess des Schreibens muss deshalb auch zügig ablaufen. Hierfür sind aus meiner schulischen Erfahrung die Druck- und Grundschrift völlig ungeeignet. Schüler, die von der Grundschule in das Gymnasium kommen und hier ihre ersten Schulaufgaben, großen Leistungsnachweise oder Tests schreiben, kommen immer wieder unter Zeitdruck, wenn sie ihre Buchstaben einzeln malen. Schüler, die Schreibschrift gelernt haben und anwenden können sind hier deutlich schneller. Die Schreibschriften, die in Grundschulen gelehrt werden, sind aus meiner Sicht die einzigen Schriften, die Schüler dazu befähigen schnell und effektiv in Prüfungssituationen zu sein.

Für mich ist das Fazit klar:

In der Grundschule sollte den Schülern eine Schreibschrift beigebracht werden. Dies sollte eine Standardschreibschrift sein, die im gesamten europäischen Sprachraum zeichengleich ist. „Altmodische“ Unterstrich-z’s, ein u mit einem Querstrich darüber mögen nostalgische Gefühle wecken, werden aber von mir in einer Englischschulaufgabe als Fehler gewertet. Diese Buchstaben gibt es nicht im englischen Alphabet. Im Deutschen gibt es sie auch nicht mehr. Warum sollte man sie überhaupt noch Kindern beibringen? Und trotzdem tauchen sie immer wieder auf.

Diese eine Schreibschrift sollte mit zwei Zielvorgaben vermittelt werden: Erstens sollte sie als Schönschrift und zweitens als Schnellschrift geübt und verankert werden.

In den weiterführenden Schulen sollte schon frühzeitig neben der Schreibschrift das Tippen eingeführt und verankert werden.

Meine Forderung lautet:

Abschaffung der Druckschrift

Intensivierung und Festigung der Schreibschrift

Tippen als Kulturtechnik frühzeitig einführen

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