Warum Schulbücher in den modernen Fremdsprachen besser werden müssen

Der Blogeintrag bezieht sich exemplarisch auf das Fach Englisch. Er gilt natürlich auch für alle anderen modernen Fremdsprachen.

In der bayerischen Q-Stufe des Gymnasiums bekriegen sich die beiden Platzhirsche Klett und Cornelsen um die Vorherrschaft, wer das bessere Englischlehrwerk vorweisen kann. Egal ob Klett oder Cornelsen (oder jeder andere Herausgeber oder Verlag), es fehlen mir immer entscheidende Punkte, die ein modernes Lehrwerk ausmachen:

1) Digitalisierung von Texten: Jeder Text, der in der gedruckten Version vorliegt, sollte auch digital verfügbar sein. Zumeist handelt es sich um Zeitungsartikel aus den bekannten quality papers, z.B. dem „Guardian“, die in den digitalen Archiven der Herausgeber kostenlos zu finden sind. Für was braucht man einen digitalen Text? Um ihn zuerst digital bearbeiten zu können und später analog: Ein digitaler Text kann viel einfacher am Rechner vorentlastet und vorbereitet werden. Durch einfaches copy and paste können die Vokabeln schnell mit der Bedeutung und der korrekten Aussprache nachgeschlagen und fixiert werden (Ich höre schon die Buhrufe der Dictionary-Anhänger). Insbesondere die Aussprache von Wörtern erleichtert dem Lehrer den Unterricht. Nichts ist unproduktiver und nervtötender als ein Oberstufenschüler, der einen englischen Text zum ersten Mal „vorliest“. Jedes dritte Wort wird falsch ausgesprochen und die Prosodie und damit auch das Gesamtverständnis des Textes geht komplett den Bach runter. Zudem kann man sich den Text ausdrucken und etwas reinschreiben oder markieren. Eine Arbeitsweise, die für mich einfach unerlässlich ist.

Draufklicken – bearbeiten!

2) Sprachausgabe: Jeder Text wird von einem Native Speaker vorgelesen. Vielleicht sogar in der englischen und der amerikanischen Aussprache. Die Audiodateien sollten als short URL unter dem Text stehen und um Gottes Willen nicht auf einem passwortgeschützen Bereich der Verlagshomepage.

Draufklicken – anhören!

3) Standardisierung und Multimediatisierung der Vokabelarbeit: Wer schon mal mit Quizlet gearbeitet hat weiß, wie schön und angenehm die Arbeit mit diesem Programm funktionieren kann. Bei Quizlet wird Ausgangsprache und Zielsprache voreingestellt, das unbekannte Wort in eine Liste getippt (oder gepastet), die deutsche Bedeutung wird sofort angezeigt und zur Visualisierung kann man noch ein Bild dazu setzen. Das ganze wird als Vokabelset gespeichert und kann vom Schüler über die Handyapp auch im Bus mit korrekter Aussprache gelernt werden. Auch hier wäre eine offene Lösung das Beste: Die Vokabellerndatei ist bereits vorangelegt und die wichtigsten Wörter schon vorhanden. Der Schüler kann seine Liste persönlich ergänzen und digital Lernen. Am Ende ergibt sich daraus ein standardisierter und definierter Gesamtwortschatz, der natürlich auch abgeprüft werden könnte und ein ein erweiterter, individueller Lernwortschatz für jeden einzelnen Schüler. Natürlich sollte jede Vokabellektion auch in Listenform ausgedruckt werden können, damit die haptischeren Lerntypen etwas in der Hand halten können.

Drauflicken – lernen!

4) Multimediale Einbettung: Bereits jetzt bieten die Verlage weiterführende Links zu den einzelnen Texten. Oft sind dies Videos aus den Archiven der oben genannten quality papers. Hier sehe ich die eigentliche Aufgabe der Verlage. Viele Links sterben mit der Zeit und führen ins Nichts. Nach ein paar Jahren sind die spärlichen Materialen „weggestorben“. Die Lösung ist mehr als einfach: Die Verlage erstellen eine Materialseite mit Links zu multimedialen Inhalten im Netz, z.B. Filme, Bilder, weiterführende Texte. Sie überprüfen diese auf Verfügbarkeit, Gehalt, Aktualität und urheberrechtliche Aspekte. Die Materialseite wird als Short URL unter dem Text angegeben. So ist dem Linksterben vorgebeugt und die Materialien können bei Bedarf erweitert und aktualisiert werden.

Draufklicken – vernetzen!

Ich denke, dass Schulbuchverlage sich dringend von der traditionellen Textvorgabe wegbewegen sollten. Im Fokus sollten die Bearbeitungsmöglichkeit und multimedialen Nutzungsmöglichkeiten stehen.

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